So habe ich das Messer geschärft

Begonnen von alvaro, 12. März 2020, 14:05:40

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DailyDriver

#480
J.A.Henckels #415 in 4/8 (Gastmesser)



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Die gestrige Steinzeit war genau genommen keine komplette Progression, denn ein setzen der Facette war bei dem Messer meiner bescheidenen Meinung nach nicht notwendig. So wurde es dann mehr oder weniger ,,nur" eine Auffrischung, allerdings mit komplett anderen Steinchen, als der eigentliche Besitzer dieses sehr edlen Messers, sie bei seiner letzten Schärfung nutzte. Auch das gewünschte Finish ist nicht nur für ihn, sondern auch für mich eine Premiere, naja, ich muss gestehen, den Finisher, hier ein hellgrüner Thüringer habe ich schon einmal benutzt, da war er aber weder geplant noch vom Handling so einfach, wie auf seinem jetzigen Sockel.


Zur Progression:

- 1x Tape+ SHAPTON Glass 4, 8 & 10k
- jeweils mit 1 Satz Zwischenledern auf dem Spanier (QUERCUR Cordovan)
- hellgrüner Thüringer 3 Sätze Wechselschübe/-Züge (je nach Sichtweise!)
- 2. Tape zur Erzeugung eines 2. Winkels
- hellgrüner Thüringer 3 Sätze Wechselschübe/-Züge (je nach Sichtweise!)
- finales Ledern mit gut 5 Sätzen auf dem Spanier (QUERCUR Cordovan)


Die erste Rasur


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Das Messer hat eine sehr gut Schärfe mit einer, zumindest für mich, traumhaften Sanftheit angenommen. Ob dies letztendlich ,,nur" ausschließlich dem Finish auf dem Thüringer geschuldet ist, oder ob es wie fast immer ein Zusammenspiel aller Teilnehmer dieses ,,Auffrischungskurs" ist bzw. war, muss im Einzelnen erkundet werden. Für mich steht allerdings jetzt schon mal eins fest...dieser Stein zeigt, das es auch mit wenigen Zügen möglich ist, ein hervorragendes Ergebnis zu erzielen. Wie lange dieses aber nur durch wiederkehrendes Ledern vor der Rasur anhält, wird sich über die Zeit und Zahl der Einsätze zeigen...bin sehr gespannt.

Zur RdT geht es hier entlang...

...und a Schmanckerl...😉


Gruß
Gregor

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Anm.: 1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wo drauf gemacht wird.
Als Zubehör/Werkzeug diente bewährtes: Edding, Tesa Tape, Schußzähler, Uhrmacherlupe+Stirnhalter, Bin-Mikroskop, ne' Schärfbrause, groovige Musik und eine Menge Spaß am Ganzen!
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

DailyDriver

Doppelte Premiere - Austria meets Japan


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Bei der neuerlichen Verwendung meines Koraat BASIC II (konvex) viel mir erneut auf, dass die Rasurschärfe des Messers nachläßt. Es hat zwar erst relativ wenig Einsätze hinter sich und so richtig erklären kann ich mir es auch nicht, aber sei's drum, ich habe mich dazu entschieden, dem Messer eine Auffrischung zu gönnen. Für mich ist es das erste Messer von Koraat, welches ich auf die Steine bitte, dazu kommt, ebenfalls zum ersten Mal mein Neuzugang, ein Nakayama Asagi als Finisher. Normalerweise möchte ich es vermeiden, gleich zwei Unbekannte ins Rennen zu schicken, aber wie so oft in solchen Fällen, hat da wieder mein Spieltrieb das Kommando übernommen.
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Da es für mich das erste Mal mit einem meiner Koraat's auf die Steine geht, fragte ich mich im Vorfeld, in wie weit Ulrik (Koraat) zum Schärfen der Messer vor der Auslieferung etwaig Tape nutzt, vor allem, ob es ,,kompatibel" zu meinem bisherig immer verwendetem Klebeband ist. Bei dieser Überlegung fiel mir ein Beitrag von einem Mitforisten ein, da ging es genau darum, konnte aber diesen Beitrag nicht finden. Kurz via PM gefragt, die Antwort folgte ratzfatz und siehe da, es war genau das gleiche Tape, welches ich nutze, Hurra! ...dafür (und vieles andere) mag ich dieses Forum! Herzlichen Dank!
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Dennoch hatte ich zur Sicherheit die Schneidkannte punktuell mit einem Edding gekennzeichnet und nach 3-4 beidseitigen Schüben über den ersten Stein konnte ich durch die Lupe erkennen, dass ich beidseitig exakt die Schneidkannte ,,getroffen" hatte. Bei der Art & Weise des Vorgehens bleibe ich nach den guten Erfahrungen bei den letzten Progressionen auch diesmal bei der ,,Scheibenwischer-Methode" von 14 abwärts bis 2, d.h. erst die Anzahl Schübe/Züge, dann die Messerseite wechseln und die gleiche Anzahl Schübe/Züge, zurück zur anderen Seite, die nächste Anzahl abarbeiten, kehrt...und so weiter. Am Ende angelangt, folgen 3 Sätze Wechselschübe inkl. einiger kreisender Bewegungen. Alles zusammen ergibt sich so für mich ein Durchgang, gefolgt von 1 bis 2 Sätzen Zwischenledern...
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Wer es gerade als Neuling kennt, wird mir mit Sicherheit zustimmen...da ist das erste Mal der Blick durch die Lupe und/oder dem Mikro auf diese herrlich polierte, schier makellose Facette nach dem 10k. Für mich immer ein äußerst genussvoller Anblick...und dann kommt, was kommen soll, der Naturstein als Finisher...einer Zerstörung gleich wirken sich bereits wenige Schübe auf die vormals hochglanzpolierte Facette aus. Man(n) mag da nicht wirklich genau hingucken, man(n) sollte es aber...es dient schließlich dem Großen & Ganzen. Etwas tröstlich ist ja die Aussicht, dass es auch auf diesem Steinchen nur eine erste Momentaufnahme ist, es geht ja Step by Step wieder in Richtung Glanz & Politur, allerdings etwas anders als auf dem synthetischen Stein. Hier hinterläßt der jNat eher eine Art wolkige Politur, eine matt schimmernde  Facette, die, je länger man sie sieht, auch ihren durchaus interessanten, eigenen Charme & Charakter hat.
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Zur Progression...

- 1 x Tape
- SHAPTON Glass 4, 8 und 10k (jeweilig gut 2-3 Durchgänge)
- Zwischen den Steinen 1-2 Sätze auf dem Spanier geledert
- Nakayama Asagi, mit einem Nagura (nicht näher spezifiziert) nur minimal! angerieben für 2-3 Durchgänge, anschließend den Stein gereinigt, dann Wechselschübe/-Züge (je nach Sichtweise) auf dem Nakayama Asagi unter fließendem Wasser bis die Klinge ein merkliches ,,bremsen & kleben" signalisiert.
-Aufbringen eines 2.Tapes um einen zweiten Winkel zu erhalten, erneut Wechselschübe/-Züge (je nach Sichtweise) bis zum ,,bremsen & kleben".
-Finales Ledern auf dem SM-Riemen II & dem Spanier

Anm.: Zwischen den Steinen immer wieder visuelle Prüfung der Schneidkannte und natürlich auch die HHT's durften nicht fehlen.


Die erste Rasur
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Was soll ich sagen eh, schreiben...WOW!!...das ist ja mal so richtig klasse! Ich übernehme hier meinen Text aus der RdT, denn es braucht nur wenig Ergänzung! Zur RdT bitte hier entlang...

Bereits die erste zwei, drei kleinen Züge (mit) signalisieren ein Erfolg der Auffrischung. Das hat prima geklappt, super sanft und sehr, wirklich sehr gründlich. Das erinnert mich an die erste Rasur, die ich mit dem Messer und den konvexen Schliff hatte...TABULA RASA!...so hatte ich es beschrieben, und genauso ist es jetzt, ein Top Rasurverhalten. Da bleibt schon nach dem ersten Durchgang ,,mit dem Strich" fast ein ,,Büro-tauglich" als Ergebnis übrig. Auch gegen den Strich ist es ein sehr angenehmes Gefühl, keinerlei Tagging, ziehen, ziepen oder gar schlimmeres. Das ist mit das Beste, was ich bisher im Gesicht hatte...bin begeistert!

Ich bin gespannt, wie lange das Messer auf diesem schönen Niveau bleiben wird...schäumen wir mal...

...und zum Schluß ein kleines Leckerlie...



Gruß
Gregor
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DailyDriver

#482
Neues aus dem Natursteingarten - Der unbekannte Stein...


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...erst kürzlich im Strang ,,Zeigt her eure Steine" vorgestellt, ist die genaue Herkunft und Bezeichnung des Steines immer noch nicht ganz geklärt, Vorläufig geklärt ist aber die Tatsache, er ist für Rasiermesser geeignet.

Vor der Progression habe ich beide Seiten des Steins mit einer Atoma 400 Dia-Platte geplant, eine relativ schnelle und problemlose Angelegenheit, der Vorbesitzer hat hier sehr gute Vorarbeit geleistet. Als Messer habe ich mir das J.A.Henckels #70 mit Gradkopf in 5/8 ausgesucht, die Klingengeometrie ist gerade, die Schneidkannte ohne Beschädigungen und für ein Messer dieser Größe ist es doch gut vollhohl ausgeschliffen. Da ich bei dem Messer die Facette selbst gesetzt und die darauffolgende Progression auch protokolliert habe, werde ich es auch nur auffrischen.

Die Progression (1 x Tape):

- SHAPTON Glass 4,8 und 10k
- Jeweiliges Zwischenledern (gut 1 1/2 Sätze) auf QUERCUR Cordovan (Der Spanier)
- Der unbekannte Stein
+ stationär* 2 komplette Durchgänge
+ Zwischenledern auf dem Spanier (1 Satz)
+ unter fließendem Wasser 3-4 Sätze Wechselschübe/-züge (je nach Sichtweise)
-2.Tape
+ unter fließendem Wasser ,,nur" Wechselschübe/-züge (je nach Sichtweise)
- finales Ledern auf meinem SM II-Riemen & dem Spanier

Beobachtungen zum Stein:

Unter dem Mikro waren auf der Schneidkannte natürlich Schleifmarken zu sehen, welche allerdings im weiteren Verlauf bis nach dem Finish immer feiner und ,,breiter" wurden, ich vergleiche das mal mit dem GBB. Zum Schluß war die Schneidkannte gut poliert, die noch vorhandenen Schleifmarken sind sichtbar ,,verrundet". Ein HHT war über die gesamte Schneidkannte mit einem Ø Haltepunkt von 1,5cm möglich, wurde nach dem finalen Ledern aber noch besser. Mir fiel auf, dass der Stein eine selbst für mich merkbare ,,Rückmeldung" in Form eines leichten klebens und einer Bremswirkung der Klinge gibt. Eine Entstehung von Autoslurry konnte ich zu keinem Zeitpunkt feststellen. Der Stein arbeitet auch ohne zusätzlichen Slurry relativ schnell.

*) stationär = Das Wasser kommt aus der Sprühflasche, kein fließendes Wasser.


Die erste Rasur


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Das Messer bietet eine hervorragende Sanftheit mit guter Schärfe und Gründlichkeit, für ein erstes Mal mit dem Stein bin ich schon  mal sehr zufrieden. Mit Sicherheit hatte ich schon Messer mit deutlich schlechterem Rasurverhalten im Gesicht und ich bin mir sicher, wenn ich noch 1, 2 Messer über diesen Stein gebracht habe und seine Eigenheiten kennengelernt habe, werde ich mit einem sehr guten Rasurverhalten belohnt. Für heute bin sehr zufrieden, eine völlig reizfreie, sanfte und gründliche Rasur.

Zur RdT bitte hier entlang...


Gruß
Gregor

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DailyDriver

#483
Neues aus dem Natursteingarten

Eins vorweg, je besser ich diesen Stein kennenlerne, umso größer ist der Spaß und die Freude damit ein Messer zu schärfen...oder zwei...oder drei...oder...
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Heute sind gleich zwei Messer zur Deutsch-Japanischen Steinzeit geladen, mein Böker THE CELEBRATED (6/8) und mein Wacker BEST TRADITION (6/8). Beim Böker muss ich besonders auf die Gleichmäßigket achten, da das Messer im hinteren 1/3 eine leichte ,,Unwucht" hat, sprich die Klingengeometrie ist nicht zu 100% gerade. Beim Wacker möchte ich, rein optisch gesehen, die Wate/Schneidkannte möglichst so schmal belassen, wie ich sie seit der ersten Steinzeit hinbekommen habe. Beide Messer sind für mich schon irgendwie a bisserl ,,Oberliga" und so heißt es heute achtgeben und keine Experimente mit ungewolltem Ausgang provozieren.
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So langsam aber sicher beginne ich, den Nakayama Asagi zu verstehen und wie bereits eingangs erwähnt, freue ich mich, mit ihm zu schärfen. Der Stein ist ein etwas härterer & feiner Nakayama Asagi, vor allem ist er aber ein schneller Stein. Hier möchte ich allerdings einwerfen, dass ich, vor allem was die Geschwindigkeit angeht, bis jetzt ,,nur" Vergleiche mit BBB und GBB anführen kann, zumindest bei gleicher Vorgehensweise. Schwierig ist für mich noch die rein optische Veränderung der Wate/Facette, der Begriff ,,Politur" ist hier etwas anderes als Beispielsweise mit dem LaLune als Finisher. Das Endergebnis ist eher eine (hier übernehme ich mal den geläufigen Begriff) Wate/Facette mit ,,wolkiger", etwas matterer Optik. Das soll aber nicht heißen, dass eine spiegelnde Politur der Facette nicht möglich ist, das ist es durchaus, nur nicht mit dem heute verwendetem Nakayama Asagi. Das alles tut aber dem Endergebnis keinerlei Abbruch, bisherige Steinzeiten mit dem Stein ergaben sehr scharfe Klinge die mit einer (zumindest für mich) bis jetzt nicht erreichten Sanftheit einhergeht. Wie das bereits heute in der RdT verwendete Böker zeigt, ist dies auch heute wirklich außerordentlich gut gelungen und ich gehe einfach einmal davon aus, dass das Wacker diesem Rasurverhalten gleichkommt.

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Zur Progression:
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1 x Tape
SHAPTON Glass k1 - Facette neu setzen
SHAPTON Glass 2 & 4K
Zwischenledern auf dem Spanier (QUERCUR Shell Cordovan)
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Nakayama Asagi
angerieben mit Tomo Nagura*  : 2-3x 16&3↻⇅↺*²
Zu jedem Durchgang mit frischem Slurry, ab den Wechselschüben/-zügen den Slurry herunterverdünnen bis zum klaren Wasser.
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Nakayama Asagi
Wechselschübe/-züge unter fließendem Wasser bis zum einbremsen der Klinge, sobald dies der Fall ist, habe ich ein 2. Tape geklebt und erneut gut 2-3 Sätze unter fließendem Wasser bis zum Finish.
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Finales Ledern auf dem Spanier & Scrupleworks (Rind)


*) Der Nagura stammt von einem Nakayama Asagi, aber nicht von meinem.


Gruß
Gregor
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Erklärung/Legende

1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.

*²) Ein Durchgang ,,16&3 ↻⇅↺" bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge

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